Merz wirbt in Heddesheim für Hagel: Ein Hauch von Washington in Baden-Württemberg
Der politische Frühling im Südwesten Deutschlands nimmt Fahrt auf, und zur Mobilisierung der CDU-Basis holt man sich prominente Unterstützung aus Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) war am Freitagabend zu Gast in Heddesheim und Bad Rappenau, um den Spitzenkandidaten für die bevorstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg, Manuel Hagel, im Wahlkampf zu stärken. Vor insgesamt rund 1500 Zuhörern nutzte Merz die Bühne, um nicht nur lokale Themen anzusprechen, sondern auch bundespolitische Akzente zu setzen – und sorgte mit einer Anekdote über US-Präsident Donald Trump für Aufsehen.
Der Wahlkampf im Südwesten: Rückenwind aus Berlin
Die CDU in Baden-Württemberg steht vor einer wichtigen Wahl, und jede Unterstützung von der Bundesebene ist willkommen. Während die politische Lage in Berlin oft von Spekulationen über mögliche Regierungsumbildungen geprägt ist, konzentrierte sich Merz in seinem Auftritt klar auf die Unterstützung für Manuel Hagel. „Für den Spitzenkandidaten ist schon Windstille positiv“, kommentierte die lokale Berichterstattung die angespannte Stimmung, die oft im Schatten der Bundespolitik steht.
In der voll besetzten Turnhalle in Bad Rappenau, die Merz augenzwinkernd als „die Toskana Baden-Württembergs“ bezeichnete, demonstrierte der Bundeskanzler Geschlossenheit. Er betonte die Wichtigkeit eines starken CDU-Ergebnisses im Südwesten für die gesamte Partei und hob die Notwendigkeit hervor, den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg zu stärken – ein Thema, das auch Hagel in seiner eigenen Rede prominent platziert hatte.
Die Trump-Anekdote: Merz als Brückenbauer
Der Höhepunkt des Abends war zweifellos Merz’ Erzählung eines angeblichen Telefonats mit dem ehemaligen und potenziellen zukünftigen US-Präsidenten Donald Trump. Merz berichtete, er habe Trump mitgeteilt, dass die Bundesregierung die irreguläre Migration um 50 Prozent reduzieren konnte. Die Reaktion Trumps, so Merz, sei ungläubig gewesen: „Is that really true?“
Merz imitierte Trumps Stimme gekonnt, was dem Publikum in Bad Rappenau sichtlich gefiel und zu kräftigem Applaus führte. Diese Episode diente Merz dazu, seine eigene Fähigkeit zu demonstrieren, auch mit schwierigen internationalen Akteuren auf Augenhöhe zu kommunizieren. In einer Zeit, in der die transatlantischen Beziehungen oft angespannt diskutiert werden, signalisierte Merz, dass er die notwendige Härte und Verhandlungsgeschicklichkeit besitzt. Diese Darstellung, ein Kanzler, der auch den „schwierigen Mann in Washington“ im Griff hat, kam bei den CDU-Anhängern gut an und sorgte für gewünschte Aufmerksamkeit abseits der reinen Landespolitik.
Wirtschaftliche Vergleiche und Kritik am Krankenstand
Neben der Außenpolitik widmete sich Merz intensiv wirtschaftlichen Themen. Er griff dabei auf Vergleiche zurück, die eine gewisse Arbeitsmoral der Region herausstellen sollten. „Die Schweizer arbeiten im Jahr 200 Stunden mehr, unterscheiden die sich von uns genetisch tatsächlich so stark?“, fragte Merz rhetorisch. Diese Anspielung auf die höhere Produktivität der Eidgenossen, kombiniert mit der impliziten Aufforderung an die deutschen Arbeitnehmer, nachzuziehen, fand breiten Anklang.
Ein weiteres kritisches Thema war der Krankenstand in Deutschland. Merz zitierte Zahlen, wonach Beschäftigte im Schnitt 14,5 Tage krank seien – fast drei Wochen pro Jahr. Er stellte die provokante Frage: „Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“ Besonders die geplante Abschaffung oder Einschränkung der telefonischen Krankschreibung wurde in diesem Kontext thematisiert. Merz deutete an, dass die CDU hier eine strengere Linie fahren wolle, um die Fehlzeiten zu reduzieren und die Wirtschaft zu entlasten. Die „fleißigen Schwaben“ reagierten auf diese kritischen, aber lösungsorientierten Anmerkungen mit gemäßigtem, aber solidem Applaus.
Ausblick auf die Landtagswahl
Die Auftritte in Heddesheim und Bad Rappenau waren klar darauf ausgerichtet, Manuel Hagel Momentum für die heiße Phase des Wahlkampfes zu verschaffen. Merz positionierte sich als starker Rückhalt und versuchte, durch die Beleuchtung bundes- und außenpolitischer Kompetenzen auch Wähler anzusprechen, die über die direkten Themen Baden-Württembergs hinausblicken. Die Mischung aus lokalem Fokus, wirtschaftspolitischen Forderungen und der spektakulären Trump-Anekdote sorgte für einen gelungenen Abend, der die CDU-Basis mobilisieren soll, bevor es am 8. März zur Wahl geht.